Der Studiengang an der Berufsakademie

 

Das Studium an Berufsakademie

Für viele Schulabgänger stellt sich die Frage, ob man studieren sollte, oder ob man zunächst eine Ausbildung macht. Beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Für ein Studium spricht die berufliche Karriere, das Studentenleben und vielleicht der Traumjob. Dagegen stehen eine lange Studienzeit, keine Bezahlung und danach die Angst als überqualifiziert dazustehen.

Die Ausbildung hingegen ist kurz, wird bezahlt hat aber auch oft nicht den selbstgewünschten Traumjob zur Folge, so dass viele junge Leute nach der Ausbildung dann doch noch studieren.

Eine häufige Kombination aus einer Ausbildung und einem anschließenden Studium ist die Banklehre plus BWL Studium. Für jemanden, der schon weiß, dass er später in der Bank Karriere machen möchte, ist das Studium ein absolutes Muss. Ausschließlich mit einer Banklehre sind die Möglichkeiten für den beruflichen Aufstieg sehr begrenzt. Die Ausbildung am Anfang gibt jedoch einen sehr guten und vor allen Dingen praktischen Einblick in den Beruf und sorgt beim Wiedereinstieg in die Bank nach dem Examen für den richtigen „Stallgeruch“.

Eine Kombination von beidem bietet das in den 70er Jahren eingeführte Prinzip der Berufakademie. Hier wird ein Studium mit einer Ausbildung kombiniert. Die Länge dieser kombinierten Ausbildung beträgt 3 Jahre und endet mit der Prüfung zum Diplom-Betriebswirt (BA) Fachrichtung Bank.

Während der drei Jahre wird eine Ausbildungsvergütung gezahlt, die in der Regel 200,-DM über der der Auszubildenen liegt.

Um an eine solche Ausbildung zu kommen ist zunächst eine Bewerbung bei einem Unternehmen nötig, welches BA-Studenten ausbildet. In der Regel sind dies alle großen deutschen Banken. Den Großteil stellen die Sparkassen/ Landesbanken gefolgt von Deutscher Bank, Dresdner Bank/ Allianz und der Commerzbank. Die Bewerbung sollte möglichst frühzeitig (bis zu 2 Jahren vor Ausbildungsbeginn) erfolgen, da die Plätze erfahrungsgemäß sehr knapp sind. Voraussetzung sind gute Mathe- und Deutschnoten, sowie eine offene Art und ein wenig Verkaufstalent.

Die Ausbildung selbst verläuft in Phasen von jeweils ca. 3 Monaten Ausbildung gefolgt von 3 Monaten Studium. Sowohl während der Ausbildungsphasen, als auch beim Studium orientiert man sich an einer 40 Stunden Woche, so dass man ein Studentenleben, wie man es sonst kennt gleich vergessen kann. Ansonsten ist diese Mischung aus Theorie und Praxis sehr angenehm, zumal im Optimalfall dafür gesorgt wird, dass das Gelernte auch gleich in der nächsten Praxisphase angewendet werden kann.

Da ich mein Studium an der Berufsakademie Berlin absolviere, kann ich auch nur im folgenden von den Abläufen dort berichten. Andererorts kann es hier und da doch geringfügige Unterschiede geben.

Besonders stressig sind die ersten Studiensemester, da hier die Stundenzahl noch relativ hoch ist und es nicht selten vorkommt, dass man von 8-18 Uhr in der BA ist.

Hauptfächer im Studium sind BWL, VWL und Bankbetriebslehre. Weitere Fächer sind Mathe/ Statistik/ Operation Research, Rechtslehre, Steuerlehre, Buchführung, Kosten- und Leistungsrechnung sowie EDV-Unterricht. Unterrichtet wir dabei sowohl von festangestellten Professoren als  auch durch Mitarbeiter der Banken.

Die Vorlesungen haben dabei das Hauptziel die theoretischen Inhalte zu vermitteln, so dass der Übungsanteil meist als Heimarbeit anfällt. Man sollte sich also bewußt sein, dass dies kein Studium zum Ausruhen ist, sondern das man dort am Ball bleiben muß. Dies fiel mir, wie auch den meisten meiner Mitstreiter am Anfang recht schwer, da sich im Gegensatz zur Schule niemand darum schert, ab man zu Hause etwas macht oder nicht.

Ansonsten besteht eine Anwesenheitspflicht bei jeder Vorlesung.

Die Themen im Bankbetriebslehreunterricht sind wiefolgt gegliedert:

1. Semester       Bankensystem, EZB, Spareinlagen
2. Semester       Aktien, Wertpapiere, Steuern
3. Semester       Kreditgeschäft
4. Semester       Auslandsgeschäft
5. + 6. Vertiefung

Durch einen Aufenthalt in allen Abteilungen der Bank während der Ausbildung sollen die gelernten Inhalte möglichst zeitnah auch angewendet werden, was jedoch wie ich mitbekommen habe stark von der ausbildenen Bank abhängt.

Am Ende jeden Semester werden in den meisten Fächern Klausuren geschrieben, deren Bestehen Pflicht ist. Fällt jemand durch, so kann er eine weitere schriftliche Wiederholung machen und auch dann kann er, wenn er noch einmal durchfällt eine dritte Prüfung mündlich absolvieren. Somit sollte es für jeden machbar sein, die Prüfung zu bestehen.

Während der Praxisphasen muß in den ersten 3 Semestern jeweils ein Bericht zu einem Thema des letzten Semesters geschrieben werden, der einen Umfang von ca. 10 Seiten haben sollte. Dies soll der Vorbereitung zum Diplom dienen. Dies schlägt jedoch meistens fehl, da sich niemand ernsthaft diese Arbeiten gewissenhaft ansieht. Auch hier sind starke Unterschiede zwischen den Banken (besonders positiv sind hier die Sparkassen und die Dresdner Bank zu nennen).

Im 4. Semester ist dann eine Hausarbeit zu schreiben und das Vordiplom zu absolvieren. Dies besteht im Wesentlichen aus der Simulation eines Kundengespräches. Am Ende folgt im sechsten Semester die Diplom-Prüfung und die Diplom-Arbeit.

Die Übernahmechancen mit einem solchen Abschluß sind überdurchschnittlich hoch, da viele Unternehmen die Verbindung zwischen Theorie und Praxis in Kombination mit einem Hochschulabschluß sehr schätzen. Die Absolventen erfreuen sich also sehr hoher Berufschancen. Wer Glück hat, kann im eigenen Haus, sprich im gewohnten Unternehmen seine ersten Sporen nach dem Studium verdienen. Natürlich steht es auch offen, sich nach einem anderen Arbeitsplatz – bspw. in der Industrie - umzusehen. Die Qualifikation ist ja vorhanden und mit der Vielseitigkeit des Studiums stehen auch andere Sparten offen. Es ist jedoch auch üblich nach dem Studium in andere Betriebe, wie z.B. Unternehmensberatungen, Beteiligungsgesellschaften, Finanzdienstleister oder Vermögensverwaltern zu wechseln. Im Durchschnitt lagen die Einstiegsgehälter in der Vergangenheit bei 5.500,-DM in Berlin.

Abschließend kann man ein BA-Studium jedem empfehlen, dem ein normales Studium zu lang dauert oder zu teuer ist und der bereit ist eine Herausforderung anzunehmen. Ein gewisses Interesse am Stoff kann dabei nicht schaden, dann macht das Ganze sogar noch Spaß. Hinzuzufügen ist, dass die Leute, mit denen man gemeinsam studiert aus meiner Erfahrung heraus eine tolle Truppe bilden, da fast alle an einem Strang ziehen.

Jens Koopmann

Berufsakademie Berlin